Herzergreifende Szenen beim Mittagessen!
Der zweite Projekttag zum Thema «Armut» am TDS Aarau wurde zur emotionalen Gratwanderung:
Analog den Verhältnissen in der Weltbevölkerung, wurden die knapp 100 Studierenden beim «Global Dinner» in vier Einkommensschichten eingeteilt: Superreiche, Reiche, Arme und Ärmste. Wer Glück hatte, erwischte mindestens eine Schale Reis und im besten Fall etwas Salat, wer zu den Ärmsten gehörte, musste sich mit einem Schluck Milchwasser begnügen.
meinTDS
Blog des Theologisch-Diakonischen Seminars Aarau
Dienstag, 21. Februar 2012
Faire Bananen gegen Armut
Pfarrerin Simone Wüthrich fühlte den Teilnehmenden gleich zu Beginn des Workshops «Fair Trade» den Puls: In spielerischen Fragerunden wurde geklärt, wer wie oft Fair-Trade-Produkte kauft. Resultat: Niemand ist richtig leidenschaftlicher Fair-Trade-Konsument. Bei einer zweiten Frage stellte sich heraus, dass sich dennoch fast jeder im Alltag gegen Ungerechtigkeiten wehrt. Weshalb also wehrt man sich nicht, indem man Fair-Trade stärker unterstützt?Bei einem UNO-Spiel wurde die Macht der Plantagenbesitzer aufgezeigt. In Vierergruppen wurde jeweils ein Plantagenbesitzer auserkoren, der bei sämtlichen Aktionskarten (+2, +4 oder Aussetzen) bestimmen musste, wen das «Leid» traf. In den meisten Gruppen verbündeten sich die Mitspielenden rasch gegen den Besitzer, während eine Plantagenbesitzerin es gar nicht schaffte, rücksichtslos zu sein und für Gerechtigkeit sorgte ...
Fair-Trade scheint sich vor allem im Lebensmittelregal durchgesetzt zu haben. Fast alle Teilnehmenden schätzen die Max-Havelaar-Banane. Sie schützt Plantagenarbeiter vor Pestidiziden, unfairen Löhnen und Kinderarbeit. Von bestimmten Fair-Trade-Kaffeekapseln war aber selbst Referentin Simone Wüthrich nicht begeistert: «viel zu bitter!». In der anschliessenden Degustationsrunde «Fair vs. normal vs. Budget» konnten die «fairen» Bananen, Orangensäfte und Schokoladen gut mithalten.
Personen mit einem «V»-Ticket für's Mittagessen haben es nachträglich wohl bereut, nicht mehr Fair-Trade-Schokolade gekostet zu haben...
Nicolas Kesper
Globale Dimension der Armut
In Slums gibt’s keine Rollläden ...
Als Schweizer Familie mit kleinen Kindern in den Slums von Manila leben? Das könnten sich wohl nur wenige vorstellen. Warum Armut und Krankheiten in Kauf nehmen, wenn man auch den hervorragenden schweizerischen Lebensstandard wählen könnte?

Christian und Christine Schneider haben diesen herausfordernden Weg gewählt. Emotional, authentisch und mitreissend erzählen die beiden in ihrem Referat von «der Gesellschaft der Slumbevölkerung und Gottes Geschichte mit unserer Welt». Zusammen mit ihren Kindern haben die beiden in Manila den kleinen Wohnraum mit Kakerlaken und Ratten geteilt und unter Moskitonetzten geschlafen. Und wurden dabei stets durchs offene Fenster von Nachbarskindern beobachtet. Um sich Blicken entziehen zu können, hätte man das Fenster zubetonieren müssen. Rolläden in Slums? Unvorstellbar!
1996 gründete das Paar des Hilfswerk «Onesimo», das Strassenkinder in Manila begleitet. Die Jugendarbeit bietet jährlich Hunderten von armen, drogenabhängigen oder kleinkriminellen Kindern nachhaltige Hilfe. Aus ihrem Leben mit den Armen entwickelten sich Wohngemeinschaften für ehemalige Drogenabhängige, Prostituierte und Strassenkinder. Schneiders selbst sind nach neun Jahren in den Slums 2003 in die Schweiz zurückgekehrt. Von Basel aus koordiniert das Ehepaar die ehrenamtliche Arbeit in Europa mit dem Leitungsteam in Manila und gewährleistet die Kommunikation zwischen Geldgebern und Kontaktpersonen in Manila.
Ihre Erlebnisse in den Slums von Manila haben Schneiders in ihrem 300-seitigen Buch «Himmel und Strassenstaub» festgehalten. Ihr Fazit: «Unser Umgang und unser Leben mit der Slumbevölkerung ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit unseres Christseins.»
Nicolas Kesper
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